Donnerstag, 17. Mai 2012

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Staatstheater Mainz
Hinterher kann man dann weitersehen


"Frühlings Erwachen!" am Staatstheater Mainz, eine tolle Annäherung an das Jung- und auch das Ältersein.
Das Mainzer "Frühlings Erwachen!" spielt in einer Welt, die man mündlich abgespacet nennen könnte, und schriftlich auch, bliebe nicht diese Ungewissheit, wie das geschrieben wird.
Eine schneeweiße Rampe und schräge schneeweiße Wände sind mit Löchern versehen, gerade groß genug, um Menschen oder Requisiten hindurchzustecken. Es gibt auch ein in den Boden gelassenes Rechteck, das das Taxi von Moritz' Vater darstellt. Lichtjahre davon entfernt leuchtet das Taxi-Schild an einer Wand. Na so was.
Ein Riesenkreis an der schrägen Decke ist eine Leinwand. Martha, Tatjana Kästel, von ihren Eltern geschlagen, ratlos, wie es 14-Jährige noch nicht sein sollten, kauert sich in ein Loch, das eine Art Bassin ist. Auf der Leinwand sieht man sie vorm Sprung in den Pool. Thomas Prazak als Hänschen macht Live-Aufnahmen, von den Schauspielern, vom Publikum. Auch kommentieren die Figuren per Video ihr Leben, wie es aus Doku-Soaps vertraut ist.

 Das Leben kennt keine Gemeinsamkeit." Wenn aber Johanna Paliatsou, Wendla, und Katja Hirsch, Ilse, auf dem Moped auf der Stelle sausen - da sieht man mal, was Theater alles kann -, will die Zuschauerin doch wieder an Freundschaft glauben. Und wenn Lorenz Klees Moritz sich über seine Versetzung freut, dann will sie an das Glück glauben.
Und dann kommt Mama Bergmann, Wendlas Mutter, Friederike Bellstedt, und es fällt einem wieder ein, wie unangenehm es ist, erwachsen zu sein. Und dann versteht sich Wendlas Mutter wirklich gut mit Moritz' Vater, dem Taxifahrer, und es fällt einem wieder ein, wie angenehm es ist, erwachsen zu sein. Und so weiter.
Die Darsteller tun nicht so, als wären sie jünger, als sie sind. Sie tun vielmehr so, als seien sie bei aller Überkandideltheit in einem auf dem Theater ungewohnten Ausmaß sie selbst. Ein toller Effekt in diesem irren Kosmos.
Staatstheater Mainz, Kleines Haus: 28. Februar, 6., 14., 27. März.

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Staatstheater Mainz


Katja Hirsch
Worüber mancher längst nicht mehr lacht, bleibt in Helmut Köppings Theaterprojekt "Weck mich auf, bevor du gehst" am Ende doch eher ein Spaß. Es geht um den Berufsalltag.
Die Zuschauer treffen sich im Mainzer Novotel, wo sie einem echten Hoteldirektor begegnen können sowie einem Schauspieler in der Rolle eines Hoteldirektors. Sie sind praktisch nicht voneinander zu unterscheiden. In einem Konferenzraum stellt sich die Schauspielerin Katja Hirsch als Dokumentarfilmerin vor. Sie befasst sich mit dem Themenbereich Wildnis & Arbeit, unter besonderer Berücksichtigung des Amerikaners Tim Treadwell. Viele Sommer verbrachte er unter Bären, bevor diese ihn 2003 töteten.
Aaufführung
Staatstheater Mainz: 26. Juni. www.staatstheater-mainz.de
Jetzt stellen sich Hotelangestellte vor, Schauspieler also, die Hotelangestellte spielen. Während sie von ihren Aufgaben sprechen, bewegen sie sich genussvoll an der Grenze zwischen Natürlichkeit und jener Nuance, die das in die Parodie kippen lässt. Sie imitieren eine Talkshow-Wirklichkeit, in der Menschen ja ständig quasi sich selbst spielen. Nun wüsste man gerne, was die echten Hotelangestellten dazu sagen. Aber schon geht es hinaus ins Freie auf einen Rundgang durch ein Mainzer Wohnviertel, das sich kein Kulissenbauer besser hätte ausdenken können.
Eine Ausgrabungsstätte wird dabei zur Bärengrube, in der die Filmerin Kontakt zu einem als Bären verkleideten arbeitslosen Schauspieler (Lorenz Klee) aufzunehmen versucht. In einem bunt gekachelten Wasserbassin lernen wir flüchtig Tims Eltern kennen. Eichhörnchen Willy sei sein Freund gewesen, erzählen sie. In einer Platane mit Blick über die Stadt hockt Katharina Knap als Baumbesetzerin und Tims frühere Freundin und politisiert.
Auf der Studiobühne Tic, die wir umgeben von mit Fähnchen winkenden Führern, schließlich erreichen, erzählen die unechten Arbeitnehmer im Dschungelcamp-Ambiente noch einmal ausführlicher von sich. "Ich brenne für diesen Beruf", sagt der Koch (Thomas Kornack), und sein Lieblingslehrling (Felix Mühlen) sagt: "Wenn mein Chef sagt, spring' vom Hochhaus, dann mach' ich das." Das sind große Momente in einer witzigen, aber doch richtungslosen Aneinanderreihung von Assoziationen. Wer gehofft hat, Schrecken und Wucht des modernen Lebens zu begegnen (Wildnis & Arbeit!), geht leer aus.
Den Redefluss der Beteiligten kann die Filmerin dabei kaum in den Griff bekommen. In der Tat: Der Mensch redet so lange, bis ihm garantiert niemand mehr zuhört.